Im Mittelpunkt der Mensch

Freie Waldorfschule Rosenheim

Waldorfschule: Gesundheit bis ins hohe Alter

Im Februar 2007 erschien eine Studie, in der 1124 ehemalige Waldorfschüler zu verschiedensten Aspekten der Lebensgestaltung, unter anderem auch zu ihrer Gesundheit, befragt wurden. (Barz, Randoll, Hrsg.: Absolventen von Waldorfschulen. Eine empirische Studie zu Bildung und Lebensgestaltung. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007). Besonders für die Gesundheit ergab sich ein auffallend starker Unterschied zwischen ehemaligen Waldorfschülern verschiedenen Alters und vergleichbaren Altersgruppen der „Normalbevölkerung“ (siehe Abbildung).

Für Erkrankungen, die wie Arthrose und Bluthochdruck mit Verkalkung, mit sklerotisierenden Prozessen einhergehen, zeigten sich dramatische Unterschiede. Während in der Normalbevölkerung im Alter zwischen 33 und 40 Jahren ca. 10 %, in der Altersgruppe zwischen 53 und 62 Jahren schon über 40 %, und zwischen 65 und 70 Jahren 57 % der Bevölkerung an Gelenkverschleiß bzw. Arthrose leiden, treten diese Erkrankungen bei weniger als 10 % der ehemaligen Waldorfschüler der entsprechenden Altersgruppen auf.

„Wenn wir das Kind zu viel denken lassen, dann versetzen wir in den Organismus die Anlage zu einer frühen Sklerose, zu einer frühen Arterienverkalkung.“ – Was der Begründer der Waldorfpädagogik, Rudolf Steiner, den Lehrern der ersten Waldorfschule schon 1923 erklärte, kann inzwischen auch wissenschaftlich erhärtet werden. Eine umfassende Befragung von rund 1000 ehemaligen Waldorfschülern verschiedenen Alters zeigt: Waldorfschüler leiden in der zweiten Lebenshälfte sehr viel seltener unter Sklerose-Erkrankungen als Schüler des regulären Schulsystems.

Ein ähnliches Bild ergibt sich für Bluthochdruck und, etwas abgeschwächt, auch für Rheuma. Auch scheinen ehemalige Waldorfschüler seltener unter Krebs zu leiden, doch sind hier die Unterschiede nicht mehr so auffällig (6 % aus der ältesten Gruppe der Normalbevölkerung gegenüber 1 % der ehemaligen Waldorfschüler). Für Zuckerkrankeit Typ 1 und Typ 2 schnitten die ehemaligen Waldorfschüler ebenfalls besser ab: 4 % der 65- bis 70-jährigen „Normalbürger“ leiden unter Diabetes Typ 1, 8 % unter Typ 2. Bei den ehemaligen Waldorfschülern gleichen Alters sind es nur 1 % (Typ 1) und 2 % (Typ 2). 

Leider wurde in der Befragung nicht nach dem Raucherverhalten bzw. nach Übergewichtigkeit der ehemaligen Waldorfschüler gefragt. Es ist aber fraglich, ob sich die großen Unterschiede allein aus solchen Faktoren erklären ließen. Auf jeden Fall ist eine gezielte Nachfolgeuntersuchung dringend geboten.

 

Ein Kernanliegen der Waldorfschule ist die gesunde Erziehung. Allerdings wird dieses Anliegen oft nicht in seiner vollen, weit reichenden Bedeutung verstanden. Denn es geht nicht nur um die aktuelle Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, sondern um die Schaffung von Grundlagen für zukünftige, für lebenslange Gesundheit. Rudolf Steiner hat die Waldorfpädagogik explizit in diesem Sinne konzipiert. Und es erscheint heute notwendiger denn je zu erkennen, dass zu intellektuelles, zu abstrakt-gedankenmäßiges Lernen tatsächlich gesundheitsschädigend in der menschlichen Entwicklung wirkt. Ein Lernen dagegen, wie es an Waldorfschulen praktiziert wird, das über Bilder, über die Anregung der Phantasie, über künstlerische Erlebnisse sich vollzieht, schafft Grundlagen der körperlichen Gesundheit bis ins hohe Alter.

(C. Hueck)

 

 

(Ein ausführliches Zitat von Rudolf Steiner zum intellektuellen Lernen finden Sie hier.)