Im Mittelpunkt der Mensch

Freie Waldorfschule Rosenheim

Waldorfschule macht gesund !

Waldorfkinder haben seltener Allergien

Seit 40 Jahren erkranken immer mehr Kinder an Allergien. In den Industrieländern leidet inzwischen fast jedes dritte Kind an einer allergischen Erkrankung. Warum? Obwohl sie schon lange nach Antworten sucht, steht die moderne Naturwissenschaft erst am Anfang ihrer Erkenntnis. Die allgemein übliche Therapie bleibt unbefriedigend. Die medizinische Forschung richtet daher ihre Aufmerksamkeit auf eine mögliche Vorbeugung. Denn neben einer familiären Belastung – Kinder allergischer Eltern haben ein bis zu 80 %iges Risiko, ebenfalls an einer Allergie zu erkranken – gibt es andere Einflüsse, die auf die Allergie-Entstehung wirken. Inzwischen gilt als „bewiesen“, dass z.B. Stillen und die Vermeidung von Zigarettenrauch den Ausbruch einer allergischen Erkrankung (Neurodermitis, Heuschnupfen, Asthma) unwahrscheinlicher macht.

Eine europäische Arbeitsgruppe, zu der auch Kinderärzte der Universität München und Salzburg gehören, beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, warum Kinder, die eine Waldorfschule besuchen, seltener Allergien entwickeln als andere Schüler aus derselben Region. In einer ihrer Studien, die 1999 ein sehr angesehenes medizinisches Journal veröffentlicht hat, war das Allergie-Risiko umso geringer, je „anthroposophischer“ die Kinder aufwuchsen. Diese Kinder hatten z.B. kaum Antibiotika, fiebersenkende Mittel oder Impfungen erhalten, dafür aber eine bio-dynamische Ernährung.

 

Die neue europäische Studie macht Furore      

In einer im Januar dieses Jahres erschienenen Nachfolgestudie wurden mit Hilfe eines ausführlichen Fragebogens Eltern von 6.630 Kindern (davon 4.606 Waldorfschulkinder) im Alter von 5 bis 13 Jahren aus fünf europäischen Ländern befragt. Die Auswertung zeigte deutliche Unterschiede zwischen anthroposophischen und anderen Familien hinsichtlich klassischer Allergie-Risikofaktoren: Eltern von Waldorfschulkindern rauchen weniger, stillen länger („geringeres Allergie-Risiko“), gingen länger zur Schule – fast doppelt so viele haben studiert („höheres Allergie-Risiko“). Und sie haben selbst sogar eher häufiger Allergien. Dennoch: Deren Kinder erkrankten signifikant seltener als die Regelschulkinder!

Auch die aktuelle Studie ergab, dass Waldorfkinder seltener Allergien entwickeln als Gleichaltrige aus derselben Region. Daneben wurden Antibiotika und fiebersenkende Mittel im Säuglingsalter mit einem bis zu dreifach erhöhten Risiko allergischer Erkrankungen in Zusammenhang gebracht.

 

Alm JS et al. Atopy in children of families with an anthroposophic lifestyle. The Lancet, 1999
Flöistrup H et al. Allergic disease and sensitization in Steiner school children. Journal of Allergy & Clinical Immunology, 2006

 

Waldorf wirkt gesundend

Aber wie sieht es aus mit Erziehung und Gesundheit? Die Wirkung der Pädagogik wurde in dieser Studie nicht diskutiert. Doch ein Hauptanliegen der Waldorfpädagogik in Kindergarten und Schule ist es, gesundend zu wirken. Wie? Zum Beispiel

l durch eine individuelle Pädagogik, die aus einem tiefen Verständnis für die kindliche Entwicklungsstufen dem Alter des Kindes angepasst ist,

l durch künstlerisch gestalteten und lebendigen Unterrichtsstoff,

l durch eine ganzheitliche Förderung der leiblichen, seelischen und geistigen Entwicklung der Kinder (Hand, Herz und Kopf) und aller Seelenkräfte (Denken, Fühlen, Wollen),

l durch eine bewusste Sinnes- und Rhythmus-Pflege (bis in die Unterrichtsgestaltung hinein).

 

Gestresste Kinder – muss das sein?

Eine andere Studie ergab ein signifikant geringeres Auftreten von psychosomatischen Beschwerden (psychisch bedingte körperliche Beschwerden, z.B. Kopfschmerzen, Nervosität, Bauchweh usw.) bei Waldorfschülern.

Bei dieser Untersuchung füllten 1717 Regelschulkinder und 1074 Waldorfschulkinder den gleichen Fragebogen aus. 20 % der Kinder an Regelschulen litten an Kopfschmerzen – im Gegensatz zu 12 % der Waldorfschulkinder. Bei den Regelschülern war Nervosität bzw. Unruhe (16 %) stark vertreten, bei den Waldorfschülern weniger als die Hälfte (7 %). Ähnlich bei Bauchweh, Übelkeit, Herzklopfen, Schweißausbrüchen – jeweils traten die Beschwerden im Vergleich zu Regelschülern bei weniger als die Hälfte der Waldorfschüler auf.

Psychosomatische Beschwerden gehören zu den häufigsten Stressreaktionen des Organismus. Dass Waldorfkinder in dieser Hinsicht gesünder aufwachsen, ist gut nachvollziehbar. Waldorfpädagogik in Kindergarten und Schule beruht auf einem gänzlich anderen Lehr- und Lernkonzept als an staatlichen Institutionen. Auch das Verständnis der Schulleistung ist an Steinerschulen ein anderes. Waldorfpädagogik bemüht sich um den ganzen Menschen mit allen seinen Anlagen und Fähigkeiten. Sie fördert kognitive, emotionale und motorische Fähigkeiten gleichermaßen, damit sich jedes Kind „körperlich gesund, seelisch frei und geistig klar“ entwickeln kann. Die psychosoziale Belastung der Kinder ist geringer, der Leistungsdruck verschiebt sich auf später, wenn die Jugendlichen stabiler sind (Mittel-/Oberstufe). Rund 50 % aller Waldorfschüler machen das Abitur (vgl. mit 25 % an staatlichen Gesamtschulen).

Zdrazil T. Gesundheitsförderung und Waldorfpädagogik. Uni Bielefeld: Dissertation, 2000

 

 

 

Die ganzheitliche Pädagogik der Waldorfschule wirkt sich harmonisierend auf das Seelenleben der Kinder aus. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass sich Waldorfschüler auch körperlich gesünder entwickeln. Denn gerade in der Kindheit und Jugend gehen die seelische und körperliche Entwicklung noch Hand in Hand. Wissenschaftliche Studien bestätigen diese Beobachtungen.